Apropos Opfer, ein sich stetig weitendes Feld, so dass sich mittlerweile durchaus jenseits jeder Polemik fragen lässt, welche Eigenschaft denn überhaupt noch nicht geeignet sein könnten, einen Opferstatus zu begründen.
Könnte sich etwa einer sagen: Es ist eine Überlegung wert, ob ich mich nicht zu Opfer erklären soll, etwa weil ich blendend aussehe und daher öfters als arrogant eingeschätzt werde oder Frauen sich gar nicht erst trauen mir einschlägige Angebote zu unterbreiten, da sie eh davon ausgehen, sie würden auf kein Interesse stossen.
Nicht abwegig jedenfalls im Opferstatus gleichsam ein Geschäftsmodell zu sehen. Immerhin winken qua Anerkennung als Opfer teils fette Privilegien, auf die zu verzichten man nicht allzu leichtfertig bereit sein sollte. Nur schon die massiv erhöhten Hürden für als legitim geltende Kritik gegenüber ausgewiesenen Opfern – etwa junge Männer mit einschlägiger kultureller Prägung - wären recht verlockend. Etwa ungestraft fremden Frauen ans verführungspralle Gesäss fassen – eine Option, die nicht übereilt verworfen werden sollte.
Aber egal, ob schon Opfer oder noch nicht, jeder ist jederzeit uneingeschränkt frei, gestützt auf was auch immer, sich zu einem solchen zu erklären. Die dazu erforderliche Argumentation ist wenig komplex, das Angebot damit niederschwellig und insofern von vorbildlichem demokratischem Zuschnitt. Und, wer es trotz alledem nicht wahrnimmt, hat selbst schuld, bzw. kommt wunderbarerweise dennoch zum Zuge, ist er doch in ganz herausragendem Sinne Opfer, insofern er – der Allerärmste – es verpasst hat, beim Angebot Opfer zu sein, zuzugreifen.
Aber (nochmals egal), es geht jetzt um verführungspralle Gesässe und die Frage, wie ihnen zu begegnen sei. Also um das Bedürfnis hier unverrückbare Leitplanken gesetzt zu wissen, die einem bei Gesäss-Begegnungen Sicherheit verleihen und im Falle einer Anschuldigung, sich fehlverhalten zu haben, durch den Verweis, die Leitplanken wären penibel beachtet worden, eine schlüssige Verteidigung ermöglichen.
Allerdings dünkt es mich, es finde sich doch irgendwie im Wesen des Verhältnisses zwischen Frau und Mann angelegt, dass es sexualisiert ist, was ja – nebenbei bemerkt – auch den Fortbestand unserer Art sichert. Wie sollte es gelingen, das wegzuregulieren oder es doch wenigstens nur sozusagen bei Erreichen der Zielsituation zuzulassen. Ich meine: Am Ziel bist du frei, der Weg ebendahin ist dir verboten. Hmm, kommt da Freude auf?
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