Es gibt einen Lärm, den wir nicht hören, aber ständig spüren. Er vibriert in unseren Taschen, blinkt auf unseren Bildschirmen, kriecht durch unsere Ohrstöpsel. Der digitale Lärm ist das Grundrauschen unserer Zeit – und wir haben verlernt, ihn als solchen wahrzunehmen.
Was früher die Kirchenglocke war, ist heute die Push-Benachrichtigung. Der Unterschied: Die Glocke läutete zu bestimmten Zeiten, strukturierte den Tag. Das Smartphone kennt keine Zeiten, keine Grenzen, kein Innehalten. Es ist der Taktgeber einer Symphonie, die nie endet und in der wir alle mitspielen müssen.
Die digitale Askese – der bewusste Verzicht auf permanente Erreichbarkeit – wird heute oft belächelt. Als wäre sie ein Luxus der Ewiggestrigen, der Digital Natives, die sich der Realität verweigern. Doch das Gegenteil ist wahr: Sie ist ein Akt der Selbsterhaltung.
In den Klöstern des Mittelalters gab es das silentium, die Zeit der Stille. Eine Pause vom Sprechen, um dem Denken Raum zu geben. Wir bräuchten ein digitales silentium. Stunden, in denen die Geräte schweigen. Nicht aus Technophobie, sondern aus Selbstrespekt.
Der französische Philosoph Pascal schrieb einst: \"Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.\" Heute müssten wir ergänzen: und nicht ruhig ohne Smartphone.
Die Stille im Netz zu finden bedeutet nicht, das Netz zu verlassen. Es bedeutet, Inseln der Unverbundenheit zu schaffen. Momente, in denen wir wieder mit uns selbst verbunden sind statt mit der ganzen Welt.
Denn am Ende ist es nicht die Frage, ob wir digital leben wollen – diese Frage hat sich erledigt. Die Frage ist: Wie finden wir Stille in einer Welt, die das Schweigen verlernt hat?